Same old, same old: Die Frankfurter Buchmesse 2017

Jedes Jahr das Highlight einer ganzen Branche: Die Frankfurter Buchmesse. Egal, wie verstaubt und spießig sie zuweilen sein mag, egal wie rechtsgerichtet und politisch, wie europäisch oder zögerlich in ihrer aufklärerischen Tätigkeit. Man muss allerdings das Buch lieben, um sie zu verstehen.

Rund 278.000 Besucher hatte die Frankfurter Buchmesse im Jahr 2016 vorzuweisen. Ob es dieses Jahr mehr werden, ist noch nicht abzusehen, aber schon am Mittwochnachmittag ist die Halle 3 gut besucht: ungewöhnlich für einen ersten Messetag. Die Cebit konnte dieses Jahr nur mit 200.000 Besuchern auftrumpfen, seit Jahren kämpft sie mit Besucherzahlen und hat sich nun auf Fachbesucher ausgerichtet. Ähnlich ist die Idee auf den ersten drei Messetagen der Frankfurter Buchmesse. Nur, dass sie trotz des intellektuellen Anstrichs des Mediums auch branchenferne Leser, vor allen Dingen Cosplayer, zu begeistern weiß. Am Samstag und Sonntag ist die Messe für Leser und Fans geöffnet. Manch ein Fachbesucher verlässt da die Stadt; ihn ängstigen die Massen, die plötzlich durch die Hallen drängen.

Zu viel Zukunftsmusik darf man hier nicht erwarten. Keine neue Technik, vor der die Besucher staunend stehen, vor der Journalisten sich tummeln, um ein Interview mit den Erfindern abzugreifen. Keine Holgramme, die Buchcharaktere ins Kinderzimmer beamen, keine Computergreifarme, die die Buchseiten umschlagen. Auf der Buchmesse geht es um Persönlichkeiten, um Autoren, ihre Bücher, die Verlage: um den Zustand einer ganzen Branche. Das Buch muss dabei für sich alleine kämpfen. Dabei ist das E-book mehr oder minder unerheblich, still und heimlich hat es sich in den Markt etabliert. 5,4 Prozent des Buchmarktes macht es aus, so zumindest war es im ersten Halbjahr 2017.

Aber es riecht ja auch so gut, das Buch. Es ist ein haptischer, paradiesischer Zustand, der dort mit den Seiten geliefert wird. Auch, wenn oft die Zeit nicht bleibt am Stand zu verweilen und sich in einer Geschichte zu vertiefen – die Lektoren und Lektorinnen wittern in jedem Vorbeigehenden einen potenziellen Hobbyautoren, der sie zu Tode nerven könnte – ist es das Buch, dass Besucher und Aussteller antreibt. Man mag das als konservativ betiteln, als reaktionär. Aber es macht den Buchmarkt sympathisch. Dabei verzichtet dieser keinesfalls auf ihren Profit. Wie immer wirken die Hallen der Internationalen Verlage geschäftig, wie immer ist der Agenten-Pavillon in kalter Büroatmosphäre darauf ausgerichtet, Projekte vorzustellen und Deals abzuschließen.

Die Halle 4 zeigt sich derweil mit dem Stand der Comic Solidarity als nischenmäßigen Gegenpol, mit einer großen Antiquariatsfläche und der THE ARTS+, der Repräsentation der digital vernetzten Kultur- und Kreativbranche. Das Gastland Frankreich stellt sich, wie immer, mit eigenem Pavillon vor. Die Frankfurter Buchmesse ist also durchaus vielfältig.

Besonders aufregend ist sie für Außenstehende aber nicht. Wer hierher anreist, darf keine Epiphanien oder die digitale Zukunft erwarten, trotz durchaus beachtlicher Zwischentöne. Wer hier herkommt, der hat zu Hause nichts zu erzählen. Aber er wird das Buch wiederentdecken. Und wer das Buch liebt, der weiß, was das bedeutet.

One thought on “Same old, same old: Die Frankfurter Buchmesse 2017

  1. Ja, und manchmal trifft man nette, junge Autorinnen … Der letzte Satz Deines Artikels sagt alles! Ich hatte viel zu erzählen daheim. Viel Spaß noch, bis zum nächsten Jahr. Oder Leipzig?

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