Unser Ende


In jeder Ecke lauert die Erinnerung,
manchmal ist es ein Stück Brot,
eines, wie wir es in Guanabo aßen,
als der Wind mir das Haarband vom Kopf riss
und du hinterher.
Oder in einer Ampel, die grün anzeigt,
eines, wie auf deinem Shirt
mit dem verblichenen Schriftzug,
das ich nicht auf links gezogen habe,
weil ich “alles lese, außer der Waschanleitung”.

In jeder Straße lauert ein Symposium,
über die Art, wie du mich ansahst,
sonntags wenn ich das Streiflicht
in der Süddeutschen gelesen hatte
und unbedingt streiten wollte.
Du lauerst neben mir im Bus,
wenn er scharf abbremst, so wie du
auf der A1, auf dem Weg nach Bremen,
weil du konntest
wirklich überhaupt kein Auto fahren.

Ich schlage ein Buch auf,
mein stiller Feind,
in jedem Eselsohr versteckst du dich,
wie du neben mir kauerst,
das Licht deiner Tage
scheint verächtlich auf meinen Sessel.
Du liegst neben mir, bist stumm.
Lauerst in jeder Erinnerung.
In den Worten, die ich als letztes zu dir sagte:
“Meine Welt ist besser ohne dich.”

Jetzt wartest du in jedem Land,
du schleichst und tanzt um mich herum,
wartest in jeder neuen Stadt,
beraubst mich eines neuen Tun,
weil alles schreit und sehnt nach dir,
nein, außer dieser Pfütze hier,
drin schläft ein Bettler trunken-frei,
wie damals in der Mongolei.
Als du auf Knien vor mir lagst,
bei minus 25 Grad.
Das war unser Ende.

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