Haul


Du machst Opfer zu Helden,
feierst ein Brauchtum aus Nichts.
Du willst dich allen zeigen
und bleibst undefinierbar in deiner Masse.
Dein Adamsapfel schreit mit blutigem Hass,
der in den Mäulern von Straßenhunden erwachsen ist.
Kein Wort auszumachen als Manifesto;
kein Satzfragment will Neues schaffen.
Du hast die wahre Rebellion verlernt.
Nimmst den Wohlstand der Welt,
ohne den Händen, die an den Wellen hochspringen,
etwas zurückzugeben.
Du winkst ihnen.
Betest, dass sie nie wieder auftauchen.
Du willst alles für dich, alles.
Erlaubst keine Kritik, keine Diskussion;
Unfehlbarkeit ist dein Kalkül.

Du wanderst durch die Gassen der Großstädte,
und bepflasterst sie mit Tiraden,
In Silvesternächten tönst du am Lautesten,
und hast nichts mehr zu sagen.
Es gibt im Internet viele schlaue Menschen,
die viele schlaue Dinge schreiben.
Und wer bist du?
Dir läuft grüner Schleim aus dem Mund,
weil du zu viel Gin Tonic säufst.
Du schaust nur nach nach vorne,
aber nicht in dich hinein.
Vergehst dich an den Erben des Holocaust,
indem du jede Schuld von dir weist.
Dabei lächeln Opfer und Täter in deinen Familienalben,
liegen unter den Straßen deiner Stadt begraben.
An dir ist jedes Gedicht und jeder Film verloren gegangen,
du zerbrichst an deiner eigenen Boshaftigkeit,
die du bei jeder Gelegenheit Satire nennst,
– ohne den Panter je gestreichelt zu haben.

Du kommentierst alles.
Du sagst nichts.
Du willst mit Ausrufezeichen ein Zeichen setzen
und erblasst hinter denen, die einen Punkt machen.
Du lachst über alles, nur nicht über dich selbst.
Stichst das Messer in die Wunden derer, die am Boden liegen;
denen sie das Rückgrat weg gespült
und die Gräten rausgerissen.
Deine Helden sind Schweiger und Leyk,
Adorno sind für dich nur Frühstücksflocken.
Du feierst Stars, die dir ihre Meinung verkaufen,
weil du für eine eigene keine Zeit mehr hast.
Kaufst kein Shampoo ohne Sternchenempfehlung,
fragst nicht nach dem Weg;
denn du bist der Rückschritt.

Du bist nicht der neue Thoreau,
du buchst Pauschalflüge.
Deine Depression ist Lifestyle,
dein Desinteresse füllt das Feuilleton.
Weil du vor einem mehr Angst hast, als vor allem anderen:
in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden.
Dein Hass entzündet die Dächer leer stehender Häuser,
brennt sich ein in jeden Facebook-Kommentar,
hast durch deinen Wahnsinnseifer,
nur die Rente deiner Eltern bezahlt.
Du fühlst dich von allem berührt,
aber nicht ertappt;
feierst Katzen und Babys,
hast sie selbst nie gehabt.
Nur die Welt, die bedeutet dir nichts.
Du: ihre einzige Hoffnung.