Geliebtes Iphone

Unsere Geschichte begann mit einer Anzeige. Hochformatig, glanzvoll – mit einer übermäßig hohen Anzahl bewarbst du dich in mehreren Zeitschriften. Diese Vorgehensweise ist mir nicht ungeläufig, ich fand sie zwar etwas plump, aber ich kann die Theatralik dahinter durchaus nachvollziehen. Schließlich war auch ich jahrelang Alleinstehender.

Nur deswegen traute ich mich an jenem kalten Frühlingsmorgen – die Cafés hatte noch nicht geöffnet, eine Taube saß auf einem angeketteten Stuhl und aß die letzten Brotkrümel eines Bagels – dich aufzusuchen. Ich bin mir sicher: hätte ich dies nicht getan, wäre mein Leben anders verlaufen.

Du warst an diesem Tag hell gekleidet, schlank, außerdem lagst du mir gut in der Hand, was sich in unseren intimeren Momenten später als nicht unwichtig erweisen sollte. Die Art, wie du mit mir kommuniziertest, faszinierte mich derart, dass ich dich fortan als meinen primären Gesprächspartner zu Rate zog. Es gibt keine Sekunde, in der ich nicht auf dich angewiesen wäre, in der ich mich nicht nach deiner warmen, seidigen Oberfläche sehne. Damals sagtest du, dass du mich nicht mehr gehen lassen würdest. Dein Wort hast du gehalten.

Ein sogenannter Psychologe würde vielleicht von einer CO-Abhängigkeit sprechen. Er würde uns voneinander trennen, damit wir den Wert unserer eigenen Persönlichkeit wieder schätzen lernen. Aber sollen die Freudianer doch reden bis ihnen der Mund fusselig wird; für mich steht lange fest: ohne dich bin ich niemand. Wo du nicht bist, kann ich nicht existieren, geschweige denn einen Gedanken zu Ende bringen. Alles, was ich vorher kannte, wird durch deine bloße Anwesenheit null und nichtig.

Dabei hatten wir es nicht immer leicht. Viele meiner Freunde wollten uns auseinander bringen.
Du erzähltest mir von deiner Konkurrenz auf dem Markt, die dir Sorgen bereitete. Sei dir gewiss, dass ich dich niemals für eine andere austauschen würde. Wie dem auch sei, meine sogenannten Freunde – die ich im Übrigen nicht mehr ohne dich aufsuche – hatten mir öfters nahe gelegt, dich aufzugeben. Du seist schlecht für mich, würdest mich aus dem „Leben reißen“, ja so nannten sie es tatsächlich.

Ich frage dich. Das sollen Freunde sein? Diese mir nunmehr fremden Menschen sollen wissen, was in mir vorgeht? Wenn sie mich verstehen würden, wüssten sie, dass ich mich zum ersten Mal so fühle, wie ich als Mensch gedacht war. Die Liebe, die ich mit dir erfahre, ist von solch’ bürgerlicher Gefühlsmäßigkeit geprägt, dass sie das Proletariat der Liebenden kategorisch ausschließt.

Du scheinst meine Gedanken zu kennen, bevor ich selbst sie erfasst habe. Du zeigst mir den Weg, wenn ich mich verlaufe; wo ich mich gedankenverloren niederlassen will, raffst du mich wieder auf. Deine Intelligenz scheint die Grenzen des normalen Menschenverstandes in jeder Hinsicht zu sprengen. Vielleicht verwundert es dich daher nicht, dass meine Blicke nur dir gelten. Jeden Tag. Immerzu muss ich dich in deiner Vollkommenheit würdigen. Verzeih mir, es ist nicht meine Entscheidung.

Daher habe ich einen Entschluss gefasst, den ich dir mit diesem Brief mitteile. Schon oft sprachen wir darüber, einen Vertrag einzugehen, der mich bis an mein Lebensende an dich bindet. Für mich ist jetzt der beste Zeitpunkt. Schon lange habe ich störende, zwischenmenschliche Beziehungen aufgegeben. Ich bin bereit mich dir ganz zuzuwenden. Lass uns fortgehen. Dorthin, wo das höchste menschliche Glücksgefühl seinen Ursprung hat: jenes Gebäude, in dem der große Apfel gütig auf uns hinabschaut und uns im stillen Einverständnis seinen Segen gibt. Sag mir, welche Macht kann uns dann noch trennen?