Zum heutigen Weltnichtrauchertag

Wer raucht, den umgibt eine Aura des Wissens, der Geduld und der Gemütlichkeit. Zigaretten schmecken herrlich zu Bier und Wein; sie sind der Eintritt in die verschiedensten Kreise, sie geleiten auf die verschiedensten Anlässe – niemand gehört mehr zu einer Veranstaltung wie jener mit Glimmstängel im Maul. Das Rauchen aufgeben zu wollen, bringt nichts. Da sind noch alle dran gescheitert, am besten lässt man diesen Versuch ruhen. Denn es gibt nichts Schöneres auf der Welt, als gemütlich Eine durchzuziehen.

Eine Zigarette verlangt nicht mehr von dir, als dass du sie anzündest. Sie will nicht mehr, als von dir geraucht werden. Es sieht außerdem weltoffen aus, eine Schachtel vor sich liegen zu haben, es sei denn, du rauchst HB. Das erinnert nur an den Osten, an die raue Arbeiterklasse, an das dürftige Leben. Deswegen empfiehlt es sich, eine französische Marke zu rauchen. Wer raucht, der will fort von alledem, was ihn gesund macht, der will den Alltag hinter sich lassen. Der will sich nicht mit Dingen beschäftigen, die ihn zwanghaft glücklich machen, der will das Leben so nehmen, wie es ist. Dreckig, rau. Und immer hängt irgendwo Asche dran.

Wenn einer raucht, dann weiß man: Der spielt gerne mit dem Feuer, der weiß, was er vom Leben will. Schon Körschgen in 00 Schneider sagte: „Solange man lebt, soll man rauchen.“ Man kann nicht erahnen, wie lange das Leben einem seine Anwesenheit beschert, besonders weil man ja gerade raucht, aber wer raucht, der hat sich selbst einen Aschenbecher als Denkmal gesetzt. Der riecht vielleicht, wenn er von draußen reinkommt, aber nicht so wie einer, der gerade dreißig Runden durch den Park gelaufen ist.

Rauchen schafft Arbeitsplätze und den verschiedensten Händen eine Beschäftigung. Nie wieder doofes Rumstehen. Nie wieder apathisch aufs Handy starren und so tun, als hätte man ein soziales Umfeld. Wer eine Zigarette in der Hand hält, der schaut immer auch ein wenig auf die imaginäre Prärie in der Ferne; der will reisen und der Welt den Rauch ins Gesicht pusten. Der weiß, dass ein Ende kommen wird. Spätestens, wenn die nächste Zigarette auf ihn wartet.

Es macht schön schummrig. Es hilft bei Stress. Rauchen ist teuer, dafür sehen die Schachteln ansprechend aus, wenn man einen Überzug über die schreckensbringenden Hiobsbotschaften zieht. Wer dennoch etwas Schlechtes über das Rauchen sagen will, der muss nur mal in eine Raucherkneipe gehen. Da ist wirklich alles Schlechtbringende dieser Welt versammelt, aber niemand schämt sich auch nur eine Sekunde dafür. Denn wer raucht, der steht zu seinen Fehlern. Der steht auf dem Balkon, mitten auf der Straße, an einer Bushaltestelle und trotzt der Menschheit, die damit beschäftigt ist, sich gesundheitsbringende Kaltgetränke zu mixen. „Macht ihr mal schön weiter mit eurem optimiertem Leben“, sagt er. „Ich gehe erst mal eine schmökern.“ Ja, nur wer raucht, hat richtig gelebt.

Haul


Du machst Opfer zu Helden,
feierst ein Brauchtum aus Nichts.
Du willst dich allen zeigen
und bleibst undefinierbar in deiner Masse.
Dein Adamsapfel schreit mit blutigem Hass,
der in den Mäulern von Straßenhunden erwachsen ist.
Kein Wort auszumachen als Manifesto;
kein Satzfragment will Neues schaffen.
Du hast die wahre Rebellion verlernt.
Nimmst den Wohlstand der Welt,
ohne den Händen, die an den Wellen hochspringen,
etwas zurückzugeben.
Du winkst ihnen.
Betest, dass sie nie wieder auftauchen.
Du willst alles für dich, alles.
Erlaubst keine Kritik, keine Diskussion;
Unfehlbarkeit ist dein Kalkül.

Du wanderst durch die Gassen der Großstädte,
und bepflasterst sie mit Tiraden,
In Silvesternächten tönst du am Lautesten,
und hast nichts mehr zu sagen.
Es gibt im Internet viele schlaue Menschen,
die viele schlaue Dinge schreiben.
Und wer bist du?
Dir läuft grüner Schleim aus dem Mund,
weil du zu viel Gin Tonic säufst.
Du schaust nur nach nach vorne,
aber nicht in dich hinein.
Vergehst dich an den Erben des Holocaust,
indem du jede Schuld von dir weist.
Dabei lächeln Opfer und Täter in deinen Familienalben,
liegen unter den Straßen deiner Stadt begraben.
An dir ist jedes Gedicht und jeder Film verloren gegangen,
du zerbrichst an deiner eigenen Boshaftigkeit,
die du bei jeder Gelegenheit Satire nennst,
– ohne den Panter je gestreichelt zu haben.

Du kommentierst alles.
Du sagst nichts.
Du willst mit Ausrufezeichen ein Zeichen setzen
und erblasst hinter denen, die einen Punkt machen.
Du lachst über alles, nur nicht über dich selbst.
Stichst das Messer in die Wunden derer, die am Boden liegen;
denen sie das Rückgrat weg gespült
und die Gräten rausgerissen.
Deine Helden sind Schweiger und Leyk,
Adorno sind für dich nur Frühstücksflocken.
Du feierst Stars, die dir ihre Meinung verkaufen,
weil du für eine eigene keine Zeit mehr hast.
Kaufst kein Shampoo ohne Sternchenempfehlung,
fragst nicht nach dem Weg;
denn du bist der Rückschritt.

Du bist nicht der neue Thoreau,
du buchst Pauschalflüge.
Deine Depression ist Lifestyle,
dein Desinteresse füllt das Feuilleton.
Weil du vor einem mehr Angst hast, als vor allem anderen:
in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden.
Dein Hass entzündet die Dächer leer stehender Häuser,
brennt sich ein in jeden Facebook-Kommentar,
hast durch deinen Wahnsinnseifer,
nur die Rente deiner Eltern bezahlt.
Du fühlst dich von allem berührt,
aber nicht ertappt;
feierst Katzen und Babys,
hast sie selbst nie gehabt.
Nur die Welt, die bedeutet dir nichts.
Du: ihre einzige Hoffnung.

Veritaristan

Früher habe ich meinen Vater bewundert. Er hat dir immer ins Gesicht gesagt, was er denkt. Wenn ich ihm zum Beispiel einen Kinogutschein zu Weihnachten geschenkt habe, weil er so gerne Filme schaut, hat er gesagt: „Mag ich nicht. Ich will lieber Rasierwasser. Sage ich euch jedes Jahr. Ist das denn so schwer?”

Ich bin nach Italien gegangen, weil ich in einem Land leben will, in dem Ehrlichkeit noch eine Tugend ist. In der Notlügen, die little white lies, verpönt sind. In der ich sagen darf: “Ich mag dich nicht; ich will heute nicht; wie hast du das denn jetzt gemeint?”

In Deutschland ist der Wind der Ehrlichkeit in einen Orkan der Harmonie umgeschwungen. Diskussionen werden beschwichtigt, wenn einer zu laut wird. Wir werden heruntergeregelt mit moralischer Überlegenheit. „Man muss das doch sachlich klären können”, sagen die neuen Weisen.
“Man muss”, ein Relikt aus der Jugend unserer Eltern. Wir haben uns nie emanzipiert.

Niemand ist böse aufeinander, niemand schreit sich an. “Kann ich verstehen” – das Mantra unserer Generation. Heute leben wir in Zeiten der Überreglementierung. Wir filmen uns bei jeder Peinlichkeit, stellen Fotos eines abgelaufenen Joghurts vom Edeka ins Netz. Alles muss seine Ordnung haben. Fürs Fehlermachen haben wir keine Zeit. Man muss halt. Außer am Wochenende.

Wenn du einen Italiener fragst, ob er Lust hat mit dir was trinken zu gehen, eröffnet er dir ein Stakkato an Entschuldigungen. Er sagt dir, wie leid es ihm tut, aber er habe noch so viel zu tun. Und dann ist da noch diese ganze Arbeit, Herrgott diese verfluchte Arbeit, die bringt uns alle noch mal um. Eine Absage kommt einem Schuldeingeständnis gleich. Das erlaubt ihm sein Stolz nicht.

Wenn ich von der Arbeit komme, will ich auf dem Bett liegen und lesen. Will dumme Serien gucken, manchmal schreibe ich Tagebuch, um die Dinge rauszulassen, die mich bewegen. Für diese Stunden der Selbstmeditation musste ich hier Glaubenskriege führen. Ich musste kämpfen. Alleinsein ist ein Kriegsverbrechen. Ich müsste mir schon eine verdammt gute Ausrede einfallen lassen, warum ich lieber mit Bücherseiten zusammen sein will, als mit Menschen. Ehrlichkeit ist nicht erwünscht.

Es ist mir ein Rätsel, wie ich das dreißig Jahre lang übersehen konnte. Wie ich das Bild, das ich vom typischen Italiener hatte, jetzt revidieren muss. Ein Traum ist von mir gegangen. Auch hier habe ich nicht die Ehrlichkeit gefunden, die ich mir von dieser Welt erhoffe. Dabei meine ich nicht die schreiende, ungerechte Ehrlichkeit. Manchmal reicht es, dem anderen in die Augen zu schauen und aus tiefstem Herzen und ohne Rechtfertigung zu sagen: „Heute habe ich keine Lust.“ Um mich dann hinter der Buchseite zu verstecken.

Unser Ende


In jeder Ecke lauert die Erinnerung,
manchmal ist es ein Stück Brot,
eines, wie wir es in Guanabo aßen,
als der Wind mir das Haarband vom Kopf riss
und du hinterher.
Oder in einer Ampel, die grün anzeigt,
eines, wie auf deinem Shirt
mit dem verblichenen Schriftzug,
das ich nicht auf links gezogen habe,
weil ich “alles lese, außer der Waschanleitung”.

In jeder Straße lauert ein Symposium,
über die Art, wie du mich ansahst,
sonntags wenn ich das Streiflicht
in der Süddeutschen gelesen hatte
und unbedingt streiten wollte.
Du lauerst neben mir im Bus,
wenn er scharf abbremst, so wie du
auf der A1, auf dem Weg nach Bremen,
weil du konntest
wirklich überhaupt kein Auto fahren.

Ich schlage ein Buch auf,
mein stiller Feind,
in jedem Eselsohr versteckst du dich,
wie du neben mir kauerst,
das Licht deiner Tage
scheint verächtlich auf meinen Sessel.
Du liegst neben mir, bist stumm.
Lauerst in jeder Erinnerung.
In den Worten, die ich als letztes zu dir sagte:
“Meine Welt ist besser ohne dich.”

Jetzt wartest du in jedem Land,
du schleichst und tanzt um mich herum,
wartest in jeder neuen Stadt,
beraubst mich eines neuen Tun,
weil alles schreit und sehnt nach dir,
nein, außer dieser Pfütze hier,
drin schläft ein Bettler trunken-frei,
wie damals in der Mongolei.
Als du auf Knien vor mir lagst,
bei minus 25 Grad.
Das war unser Ende.

Der letzte Tag des Rauches

Ich habe den Schal um mein Gesicht gewickelt, kann kaum etwas sehen. Unter meinem Rucksack trage ich zwei dicke Wollpullover. Wie immer sind die Produkte des Westens unzulänglich gewappnet gegen die tödliche Kälte, die Straßenkinder und Alkoholisierte auf der Straße festfrieren lässt.

Als wir aus dem Zug steigen, haben wir den niedrigsten Temperaturstand der Reise erreicht. Bei fast Minus dreißig Grad versuchen wir die lästigen Taxifahrer loszuwerden, die uns für viel Geld fahren wollen. Erst als wir einige hundert Meter entfernt sind, bemerken wir, dass sie gegangen sind – so sehr pfeift uns der Wind um die Ohren.

Nach etwa einer Stunde haben wir uns in Ulan Bator verlaufen. In einem kleinen Café suchen wir nach der Adresse unseres Hostels. Laut Google Maps sind wir keine zehn Minuten davon entfernt. Und doch hat diese Anzahl etwas Bedrohliches, jede Minute in der Kälte ist zu viel. Ich wecke die Bedienung, die auf dem Tresen schläft. Sie gießt mir einen mongolian tea ein. Das ist ein Schwarztee aus Wasser, Milch und Salz.

Ich denke an die warme Wolldecke unter der ich noch vor einigen Stunden die Wälder aus dem Fenster beobachtet hatte. Ich will die stillen Stunden zurück, in denen die Schienen sanft im Takt ruckelten. Das scharfe Abbremsen war wie eine willkommene Erschütterung, die jedes Leben braucht, um den Stillstand zu überwinden. Der Zug, das erkenne ich jetzt, ist die eigentliche Reise.

In Ulan Bator – die kälteste Hauptstadt der Erde – lässt es sich kaum eine Stunde laufen, ohne dass Erinnerungen an raue Kindertage wach werden. Ein älterer Mann mit zerfetzten Handschuhen und einem kaputten Bein öffnet uns die Tür. Wir haben das Haus mithilfe eines Bildes aus dem Internet gefunden. Straßennamen und Hausnummern sind das Gold einer glorreichen Zukunft.

Ulan Bator ist eine moderne Großstadt. Nomaden in Trachten stehen neben Bänkern in Anzügen und Straßenkindern, die um ein paar Tugriks betteln. Ein Smartphone kann bis zu einer Million kosten, ein Kleid zweihunderttausend. Die Inflation steht und fällt mit jeder Minute. Im Supermarkt finden wir auch deutsche Produkte, sie kosten umgerechnet das dreifache. Die Mongolei darf nichts selbst produzieren, sie hängt an den russischen Großnachbarn, die Süchbaatar aus Angst vor den Chinesen in der Revolution um Hilfe gebeten hatte. Die Rohstoffe des Landes werden an China exportiert, aber auch an Deutschland. Der Wille nach Unhabhängigkeit ist stark.

Wir verlassen die Stadt und fahren in den umliegenden Nationalpark, um bei einer Nomadenfamilie zu essen. Es ist uns unangenehm in ihren intimsten Lebensbereich einzudringen, aber als wir die weiße Jurte betreten, erfreuen wir uns an der Wärme des Ofenfeuers. Dort sitzen die Eltern und ihre drei Kinder auf den kleinen Betten; ein Flatscreen und eine Waschmaschine stehen daneben. Die Mutter tippt auf ihrem Iphone etwas ein.

Schon auf dem Hinweg waren mir die großen Anzeigetafeln aufgefallen, die, unweit der Gobi-Wüste, in den Himmel ragen. Hier gibt es Camps, die ausschließlich an Touristen vermietet werden und kleine Karaokebars, die zur Unterhaltung der Massen dienen: das traditionelle Leben der Nomaden ist Vergangenheit.

Unser Guide erzählt uns von der Vertreibung ganzer Stämme, die in Ulan Bator ihr Glück versuchen. Mit 40 % Arbeitslosigkeit und einer doppelten Alkoholikerrate bringt man sich weiterhin um Erfolge. Aber das Land verleugnet nicht etwa seine Helden. Es ruht sich darauf aus. Dschingis Khan, einer der größte Massenmörder der Geschichte, wird hier für das größte Weltreich der Geschichte gefeiert. Eine tonnenschwere Silberstatue thront über der Wüste, darunter gibt es ein Museum. Auch ich stimme für eine Weile in die Feiergesänge mit ein. Seine Offenheit gegenüber Religionen und Kulturen hat das alte Karakorum als Hauptstadt seines Reiches schon vor Jahrhunderten zu einem beispiellosen Schmelztiegel aufsteigen lassen. Khans Schattenseiten hat das Land vergessen, auch leidet es an historischer Demenz, wenn es um die Aufarbeitung der kommunistischen Vergangenheit geht. Deutschland, wie ich realisiere, ist das einzige Land auf der Welt, das sich mit der eigenen Schuld auseinandersetzt.

Wir sehen vereinzelte Jurten auf den Hügeln; sie liegen nur teilweise unter Schnee. Ehemalige Stammesführer werden durch Bauherren ersetzt. Nach und nach werden die Camps vertrieben und der Rauch aus den kleinen Öffnungen erlischt. Wann der letzte Tag des Rauches anbricht, das mag niemand voraussagen. „Happy Village“ steht auf einem Schild neben einer amerikanischen Siedlung.

Die bunten Stofffetzen der Schamanen sind an Büsche geknotet. Darüber kreisen große, schwarze Adler. Wir spielen die Europäer, die von allem zutiefst beeindruckt sind. Uns graut es vor der Rückkehr in die Stadt. Was haben wir hier verloren, das es für uns aufzusammeln gilt, wenn sich alles in diesem Land verändert?

„Look here“, sagt die Mutter und zeigt auf ihr Handy. Ich nehme es in die Hand, die warm vom Feuer ist. Es ist ein Video von Taylor Swift, in dem sie verlassen in der Wüste umheirrt. Vor der Jurte wiehert ein Pferd.
“A man needs a horse, a woman needs a family”, sagt sie. Dann geht sie zum Herd, um das Essen vorzubereiten. Aus dem Ofen zieht der Rauch in den weiten Himmel über uns.

Gewässer, die nach unten strömen

Jedes Haus zerfällt in meiner Straße,
niemand hat einen Krieg ausgesprochen,
was in mir steht ist der Zweifel,
ich gehe weiter geradeaus und weiche
jedem aus, der mir zu nahe kommt.

In einem Schaufenster verkaufen sie Hosen
je nachdem kann man aussuchen,
ob man der rote Typ ist oder der Blaue,
in einem Hochhaus sitzt ein Mann
und wirft mit Zahlen.

Sie alle entfernen sich von mir,
doch näher stand ich mir nie,
keiner von ihnen versteht,
wie es mich Tag für Tag zermürbt,
ganz nach oben zu wollen,

in Gewässern, die nach unten strömen.
Es ist immer der erste Gedanke,
der das Feuer entzündet,
immer der erste Funke,
der eine Explosion entfacht.

Häuser zerfallen in meiner Straße.
Kelleräume, die offen stehen.
Ein unausgesprochener Krieg.
Ich schreite in den Kampf.

As advertised

Wake up little boy,
litte wonderboy,
it’s time for the war
for killing and fighting and shots,
you’ve always liked adventures,
haven’t you boy?
But where’s a gun,
there will be blood.

Wake up litte girl,
it is time to go,
on the big streets
to face your future loss,
you have been wanting this,
haven’t you girl?
Cause where’s a gun,
someone will get shot.

You read it in the paper,
found a place to go,
after years of just playing
and hunting in the streets,
this is your big day, now,
wake up little boy,
they are here,
they are coming for you.

Come on little girl,
be a big girl now,
hide your breasts
and show us your teeth,
they are depending on you,
to shot and kill,
and to forget about,
little flowers in the streets.

August 2014, für: www.nachhut.com

Wenn ich

Wenn ich neben dir liege,
das ist, als würden Bäume sich biegen
die Sonne leuchtet der Nacht,
Gezeiten kommen und geh’n unbedacht.
Und doch, auch wenn ich neben dir liege,
dann will ich zurück in die Kinderwiege,
weil nichts erinnert mich zurück,
an längst vergangenes Jugendglück,
wenn ich neben dir liege;
dann surr’ ich wie eine Fliege,
die einen Tag nur leben darf,
und doch reicht’s für den Mittagsschlaf,
gar Schnarchen wird zur Liebe,
wenn ich einfach nur neben dir liege

Burgunder 02

Wenn man betrunken spaziert,
erlebt man herrliche Straßen,
man hofft und man betet,
man springt, und man wartet;
dass “man” wird langsam durchs “Ich” ersetzt,
der Morgen ist jetzt,
kein Schritt unterschätzt.
An jeder Ecke, da wartet das Wunder,
im rosigen Kleid ein zweitausend’ Burgunder,
“Ach das Leben”, so singt man lieblich und rein,
hält ewig und lange, der Tod weicht dem Sein.
Werd’ nie so schnell schreiben,
wie leben ich will,
die Frau da am Kiosk, heißt Ilsebill;
sie nimmt meine Hand, begrüßt mich zum Tanz,
will nur mein Kleingeld, am Liebsten gestanzt.
Was ist das für eine mutige Frau,
die sich heut in mir hat aufgebaut,
was könnt’ ich nicht retten,
die Krim gar vielleicht!
Putin sogar brechen – es ist alles so leicht!
Bewandern will ich, die Welt da vor mir,
doch schleiche ich nur durch die Vorgärten hier.
Was sind das nur für herrliche Straßen,
man tanzt und man lacht, will gar Fremde begatten,
und langsam da leuchtet es einem doch ein,
des Weines Gewand, macht nur müd’ und allein.

Warten

Hat sich bei dir schon was bewegt?
Das Fest der Lieben und Verschmähten.
Auf meiner Fensterbank da steht
ein Totenkopf nebst Lichterketten.

So nah liegt alles beieinander,
dass man im Trudel leicht vergisst,
wer nachts durch tiefen Schnee oft wandert,
wird tags von Elchen angepisst.

Die Karte ist nicht unterschrieben,
weil dort wo Hand nun Trauer wohnt,
gleich geht es los, gleich ist es sieben,
das Warten hat sich nicht gelohnt.

Hat sich bei dir schon was bewegt.
Zwei Sterne knien vorm Feuer nieder.
Dein Atem haucht über den Tee,
wo seiner war, gräbt Ungeziefer.